Reichenbach – deine Stadt, deine Ideen

Urbanität (II)

Wie bereits angemerkt möchte ich in einem zweiten Teil zur Urbanität die Voraussetzungen und Gründe für urbanes Leben weiter vertiefen.

Urbane Atmosphäre entsteht durch verschiedene les-, fühl und erfahrbare Eindrücke und durch die Interpretation und Bewertung von spezifischen Ausstattungsmerkmalen des öffentlichen Raums. Diese Merkmale können sichtbare Zeichen und Symbole sowie andere sinnlich erfahrbare Eigenschaften sein. Beeinflusst wird die Wertung aufgrund eigener Erfahrungen sowie dem städtischen Kontext. Dadurch ist es schwierig allgemeine Prinzipien abzuleiten.¹

Zur Beeinflussung urbaner Räume kann die Stadtplanung beitragen – sie kann Urbanität jedoch nicht künstlich erzeugen. Dabei geht es nicht ausschließlich um bauliche Qualitäten sondern auch um die Qualität der Anordnung sozialer Strukturen und wie beide mit einander harmonieren.2 Andererseits können urbane Orte – man könnte sie ebenfalls als “Möglichkeitsräume” bezeichnen – an Orten entstehen die ihren ursprünglichen Nutzen verloren haben und nun ein hohes Maß an Freiheit für neue Nutzungen offen halten. Auch solche Plätze können urban werden, wenn Sie einem neuen Nutzen zugeführt werden. Dies ist allerdings nicht unbedingt Aufgabe der Stadtplanung sondern kann genauso privates Engagement erfordern. Somit entseht ein Spannungsverhältnis zwischen Dichte und Fremdheit, zwischen historischer Bedeutung und neuem Nutzen. Somit gilt für Urbanität die Unterschiedlichkeit als ein wichtiger Faktor, welcher ihre Entstehung beeinflusst und bedingt. Zusammenfassend ist ein Ort/Platz durch soziale Interaktion mit diesem, die zum Leben der eigenen Person dazugehören, urban. Durch eng beieinander liegende urbane Orte entsteht ein Netz dieser und letzendlich eine individuelle urbane Atmosphäre. Dadurch wird Urbanität durch soziale, räumliche und atmosphärische Aspekte bedingt.2

Neben den sozialen, räumlichen und atmosphärischen Aspekten kann Urbanität von weiteren Umständen beeinflusst werden. Eine Auflistung der Dimensionen mit einer kurzen Erläuterung zeigt die nachfolgende Aufzählung:3

  • soziale Dimension – menschliches Verhalten sowie städtischer Lebensstil
  • historische Dimension – Urbanität als historische Kategorie einer gesellschaftlichen Entwicklung und emanzipatorisches Element
  • räumlich-funktionale Dimension – Eigenschften der räumlichen und baulichen Struktur
  • politische Dimension – Urbanität als durchgesetzte Demokratie und aktive Beteiligung
  • atmosphärische Dimension – Stadtleben im Kontext von Geschichte und Identität

Nur durch das Zusammenspiel dieser verschiedenen Faktoren kann Urbanität entstehen. Nur wenn alle Dimensionen mit einander harmonieren kann aus unserer Sicht eine Steigerung der Attraktivität des städtischen Lebens und somit eine Steigerung des Lebensstandards der Stadt erfolgen.
Zusammenfassend steht Urbanität für Bürgertum, Demokratie, kommunale Organisation und zivilgesellschaftliches Engagement, Vielschichtigkeit, Toleranz und Akzeptanz, bauliche, soziale und kulturelle Dichte, Nutzungsmischung und nutzbarer öffentlicher Raum. Sie steht ebenso für ein Leben zwischen den Polen Privatleben versus Öffentlichkeit, Anonymität und Gemeinschaft  sowie Freiheit und Regeln. Die Summe all dieser Merkmale ergibt eine eigene Stadtatmosphäre, die aus eigener Überzeugung entstehen sollte. Das gegenseitige Wechselspiel dieser Elemente lässt Urbanität entstehen.4

Gibt es urbane Orte in Reichenbach?

Gibt es urbane Orte in Reichenbach?

All diese theoretischen Grundlagen bringen mich nun zur letzten Frage dieses Beitrags – Gibt es urbane Orte in Reichenbach und brauchen wir Urbanität in der Stadt? Die Antwort ist einfach und kurz – JA!

Ich möchte meine Einstellung dazu aber noch begründen. Durch die Schaffung urbaner Orte kommt Leben in die Stadt. Diese urbane Orte können durch den Handel, durch ein Café oder auch einfach durch Menschen bedingt werden. Die Verwaltung ind die Stadtplanung hat hierbei die Aufgabe gute Grundvoraussetzungen zu schaffen. Die Bürger müssen sie natürlich auch nutzen und sollten auch eigene Plätze für sich entdecken – das Zusammenspiel aller ist hier wichtig. Aus meiner Sicht gibt es auch in Reichenbach schon einige urbane Orte. Nehmen wir den Park der Generationen an einem Sommertag – urbane Orte müssen nicht dauerhaft sein und können gern auch zeitlich begrenzt sein. Ein anderes Beispiel ist für mich der Club Chronicle Moshers in Cunsdorf – ebenfalls ein urbaner Ort. Auch wenn cih dort bisher nur einmal war – der Ort und das Engagaemnt dort spricht für sich selbst. Ein letztes Beispiel möchte ich noch nennen – das Street-HAPPENING. Nicht aus dem Grund der Eigenwerbung – wir hatten damals nie mit einer so positiven Ressonanz gerechnet. Es zeigt aber im besten Maße, dass die Menschen Lust auf solche Plätze im Großen wie im Kleinen haben. Setzen wir diese drei Beispiele nun einmal gegenüber:

Park der Generationen – Chronical Moshers – Street-HAPPENING

Drei Orte die Unterschieldicher nicht sein können. Natur in der Stadt, Metal im “Dorf”, Großstadtgefühl in einer Kleinstadt – alles Dinge die untereinander erstmal nicht direkt zu kombinieren sind in der Gemeinschaft hingegen zeigen sie genau das was wir brauchen um ein interessantes urbanes Leben in Reichenbach zu erreichen. Wir brauchen zahlreiche, unterschiedliche Facetten, diese beleben die Stadt und verändern sie. Veränderungen die das Image der Stadt prägen und sie sowohl nach Innen und Außen positiv strahlen lassen. Dieses positive belebende Gefühl brauchen wir um unsere Stadt nach vorn zu bringen und lebens- und liebenswert zu gestalten.

Wie seht ihr das? Würde mich über eure Ansichten und Meinungen freuen.


Quellen:
  1. http://www.dynass-projekt.de/panel-“urbane-atmospharen”/, Zugriff am 12. Februar 2015
  2. Vgl. Urbane Orte – Ein Urbanitätskonzept und seine Anwendung zur Untersucher transformierter Industrieareale, Martina Baum, 2008, S 52 f.
  3. ebenda, S. 59
  4. ebenda, S. 59 f.

3 Kommentare zu “Urbanität (II)

  1. Heike

    Urbaner Ort, nach Definition im Text voraus, ist für mich die Brasserie mit Gartencafe.
    Stadtpark, weil er Geschichte hat und Bänke mit Lehne. Die Bibliothek, weil man sich zurückziehen und lesen
    kann.
    Ja und an vielen anderen Orten in RC wäre ich gerne häufiger, wenn man dort sitzen könnte, mit Lehne. Zum Beispiel Weinholdplatz. Ich spreche für mich.

  2. Melanie

    Ich möchte gern auf einen kleinen Fehler aufmerksam machen: “Chronical Moshers” (nicht Chronicle Moshers)… Danke für die wunderbar aufbereiteten Infos. So viel (wie in eurem Blog) habe ich bisher noch nicht über Reichenbach erfahren! :-)

    1. SeverinSeverin Autor des Beitrags

      Danke für den Hinweis – habe es gleich noch geändert – und freut uns, wenn du unsere Beiträge verfolgst und dich für Reichenbach interessierst.

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